iShares Core MSCI World ETF: Klumpenrisiko durch Big Tech?

Wenn du dich erstmals mit dem Investieren in ETFs beschäftigst, stößt du schnell auf das Thema Portfoliodiversifikation. Dass ETFs in der Regel breit investieren, wird als große Stärke der Anlageform betrachtet. Speziell im Vergleich zu Einzelaktien.

Der iShares Core MSCI World ETF (ISIN: IE00B4L5Y983), gemessen am Anlagevolumen der größte ETF der Welt, galt lange als Musterbeispiel der Diversifikation. Nicht zuletzt aufgrund der Anlagestrategie mit Investments in über 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern erfreut sich der ETF der Blackrock-Tochter großer Beliebtheit.

So weit so gut. Wirft man jedoch einen tieferen Blick in das Portfolio des Welt-ETF, stellt man fest: Fast 20% der Gewichtung entfällt auf lediglich sechs Unternehmen (Microsoft, Apple, Nvidia, Google/Alphabet, Amazon, Meta). Allesamt Big Tech Player aus den USA.

Ein solcher Investitionsfokus mag auf Basis der Anlagestrategie des ETF überraschen. Viele Finanzkenner bemängeln deshalb ein Klumpenrisiko innerhalb des MSCI World Index.

Warum eine zu große Angst vor dieser Abhängigkeit unbegründet ist, erfährst du in diesem Artikel. Des Weiteren zeige ich dir, welchen generellen Regeln die Diversifikation des MSCI Core World ETFs folgt.

iShares Core MSCI World ETF: Wie die Diversifikation des Welt-Index funktioniert

Ein großer Vorteil von ETFs ist, dass sie breit gestreut in den Aktienmarkt investieren. Der iShares Core MSCI World ETF (ISIN: IE00B4L5Y983), gemessen am Anlagevolumen mit knapp 80 Mrd. € der größte ETF der Welt, investiert z.B. in mehr als 1.400 Unternehmen aus 23 verschiedenen Industrieländern. Die Marktkapitalisierung der Firmen reicht von 1,5 Milliarden bis zu über 3 Billionen Euro (Stand: Oktober 2024).

Eben jene Größe entscheidet wie bei vielen anderen ETFs über die Gewichtung innerhalb des Portfolios. Der Welt ETF von iShares orientiert sich bei der Zusammenstellung an den Vorgaben des Indexanbieters MSCI. Es gibt zwar ETFs auf dem Markt, die ihre Positionen gleichgewichten. Sie stellen jedoch die Ausnahme dar.

Im MSCI World ETF macht das aktuell größte Unternehmen Apple (Market Cap: 3,2 Bio. €) einen Portfolioanteil von ca. 4,8% aus. Das impliziert, dass die Wertentwicklung des ETF zu 4,8% von der Entwicklung des Aktienkurses von Apple abhängt. Gleichermaßen passt sich die Gewichtung an aktuelle Kurssprünge an. Performen Unternehmen im Vergleich besser als andere Positionen, steigt ihre Gewichtung innerhalb des ETF.

Ein Beispiel für eine solche Entwicklung ist der Tech-Konzern Nvidia. Der Aktienkurs des Chipherstellers hat sich zwischen Dezember 2023 und Oktober 2024 um über 145% erhöht. Dementsprechend stieg auch die MSCI World Index-Gewichtung des US-Konzerns von 2,0% auf ca. 4,2%. Auch weil die restlichen Unternehmen des Index mit dieser Performance nicht mithalten konnten.

Nvidia zählt damit zu den sechs größten Positionen des iShares Core MSCI World ETF.

6 Konzerne zeichnen sich für 20% des MSCI World Portfolios verantwortlich

Was man zunächst nicht unbedingt vermuten würde: Die Top 6 Positionen (bestehend aus Microsoft, Apple, Nvidia, Google/Alphabet, Amazon und Meta) besitzen zusammen eine Portfolio-Gewichtung von ca. 20%. Sechs von über 1.400 Unternehmen zeichnen sich demnach für ein Fünftel der Wertentwicklung des ETF verantwortlich.

Die Diskussionen um ein Big Tech Klumpenrisiko im MSCI World ETF greifen zu kurz

Einige Finanzexperten sprechen aufgrund dieser Tendenz von einem Klumpenrisiko innerhalb des MSCI World ETF. Doch die Einschätzung trügt. Letzten Endes ist die Aufstellung des Index ein Spiegelbild der weltwirtschaftlichen Entwicklung. Diese treibt mehr und mehr in Richtung Technologie und Digitalisierung. Bereiche, die beispiellos von jenen sechs Tech-Konzernen gefördert werden. Und es ist kaum vorstellbar, dass eines der Unternehmen kurzfristig an Bedeutung verliert.

Weiterführend erklärt sich die hohe Marktkapitalisierung im Vergleich zu anderen Indexunternehmen anhand der wirtschaftlichen Verflechtungen der Geschäftsmodelle. Bestes Beispiel: Amazon. So bietet der im Jahr 1994 gegründete US-Konzern weitaus mehr Leistungen als den Online-Versandhandel an: Cloud-Geschäft, Zahlungsdienste, Musik, Streaming u.v.m.

Amazons Geschäftsmodell beruht auf weitaus mehr Säulen als dem Online-Versand.

Hierdurch ist Amazon in den unterschiedlichsten Bereichen aktiv. Agiert als Geschäftspartner von kleinen und großen Unternehmen auf der ganzen Welt. Und ist an der ökonomischen Entwicklung diverser Branchen beteiligt.

Aufgrund der breit vernetzten Strukturen fällt es schwer, von einem Klumpenrisiko innerhalb des MSCI World zu sprechen. Ein Kollaps der Top 6 Aktien ist aktuell kaum vorstellbar. Abseits von makroökonomischen Entwicklungen, versteht sich. Zu robust wirken die Geschäftsmodelle der Big Tech Unternehmen. Zu ausgeprägt ist ihre Integration im weltwirtschaftlichen Kontext.

Die Abhängigkeit von Vorständen der Big Tech Aktien birgt Risiken. Aber auch Chancen.

Die größte Gefahr liegt womöglich in der gestiegenen Abhängigkeit vom Management der Big Tech Player. Strategische Fehlentscheidungen einzelner Personen können weitreichende Folgen für die Unternehmen selbst und das geschäftliche Netzwerk haben. Und somit auch im Hinblick auf die Performance des MSCI World.

Andererseits sind die Big 6 insbesondere aufgrund ihres hervorragenden Managements so groß geworden. Warum sollte sich dies zukünftig ändern? Zumal einige der Unternehmen immer noch gründergeführt agieren. Mark Zuckerberg (Meta) und Jen-Hsun Huang (Nvidia) sind die besten Beispiele. Zusätzlich verdeutlicht Apple seit dem Tod von Steve Jobs, dass Entwicklung auch ohne Gründereinfluss funktionieren kann.

Ergänzend schränken regulierende Elemente innerhalb der Unternehmen (z.B. Aufsichtsräte oder Ausschüsse) die Entscheidungskraft einzelner Personen ein. Änderungen bzgl. Strategie & Produktangebot erfolgen auf Basis ausführlicher Diskussionen und Abstimmungen innerhalb der Gremien.

Fazit

Falls es trotz all dieser Faktoren doch zu Missmanagement und Gewinneinbußen bei den Top 6 Unternehmen kommt, sollte man auf die Dynamik des Marktes vertrauen. Andere Konkurrenten werden die potenziellen Schwächen der Big Tech Player ausnutzen und ihre Marktanteile im Gegenzug ausbauen. Folglich steigt der Aktienkurs dieser Unternehmen auf langfristige Sicht.

Innerhalb des MSCI World ETFs fangen solche Kurssprünge etwaige Verluste bei Big Tech auf. Insofern die positive Entwicklung der Weltwirtschaft in den Industrieländern anhält, sollte auch die Performance von Produkten wie dem iShares Core MSCI World ETF intakt bleiben.

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Über den Autor

Niklas Licher

Seit 2019 investiere ich mein Geld an der Börse. Auf meinem bisherigen Weg musste ich feststellen, welch geringen Stellenwert das Thema Finanzbildung in Deutschland genießt.

Mit Finanzpedale möchte ich euch auf Basis meiner Erfahrungen den Zugang zu den Kapitalmärkten erleichtern.