Du möchtest mit dem Investieren in Einzelaktien beginnen – Bist dir aber unsicher, wie du die richtigen Aktien auswählst? Als Anfänger kann die Aktienbewertung eine echte Herausforderung sein – schließlich gibt es tausende von Unternehmen und unzählige Möglichkeiten, sie zu analysieren.
Gute Aktien zu finden ist keine Wissenschaft. Gleichermaßen solltest du als langfristig orientierter Anleger keine unüberlegten Schnellschüsse tätigen. In diesem Artikel teile ich einfache Tipps mit dir, wie du als Anfänger bei der Aktienauswahl vorgehst und dein Portfolio so Stück für Stück aufbaust.
Zudem erhältst du einen Bonustipp, der auf lange Sicht ein echter Rendite-Booster sein kann.
Inhaltsverzeichnis
Was du vor dem Kauf der ersten Aktie wissen solltest
Die erste Aktie. Ein besonderer Moment für jeden Privatanleger. Ich kann mich noch sehr genau an meine ersten Investments im Jahr 2020 erinnern. Kurz nach Beginn der Corona-Pandemie deckte ich mich mit Wertpapieren von Microsoft und Teamviewer ein.
Beide Unternehmen verkaufte ich nach wenigen Monaten mit Gewinnen. Allerdings sei erwähnt, dass in dieser Börsenphase so gut wie jede Aktie nach oben schoss. Die Kurssprünge hatten sicherlich nichts mit meiner Börsenexpertise zu tun.
Ich investierte in die beiden Unternehmen, weil mir die Geschäftsmodelle gefielen und ich großes Zukunftspotenzial sah. Mein Verkauf wenige Monate später passte nicht zu diesem langfristigen Ansatz. Ich war schlichtweg zu unerfahren. Mir fehlte es an einer echten Strategie.
Mittlerweile folge ich klaren Mustern bei der Auswahl von Einzelaktien. Ohne die Sache unnötig zu verkomplizieren. Das Wichtigste für mich: Ich habe eine Investmentphilosophie gefunden, die zu mir passt.
Auch du solltest dir vor jedem Investment überlegen, ob du dich mit der Anlage wirklich wohlfühlst und „ruhig schlafen“ kannst. Zu oft ignorieren unerfahrene Börsenneulinge diesen Aspekt.
Grundlagenkenntnisse im Bereich der Unternehmensanalyse
Ich bin ehrlich. Als ich 2020 erstmals in Einzelaktien investierte, habe ich mir weder die Bilanz noch die Gewinnentwicklung der Unternehmen angeschaut. Vielmehr habe ich auf Basis meines Bauchgefühls investiert:
- Ist das Geschäftsmodell des Unternehmens zukunftsträchtig?
- Hat der Konzern eine gute Marktposition?
- Nutze ich die Produkte und wie zufrieden bin ich mit ihnen?
Das waren Fragen, die ich mir zum damaligen Zeitpunkt stellte. Und tatsächlich bilden sie auch heute noch einen zentralen Bestandteil meiner Aktienanalysen.
Sie jedoch als alleinige Faktoren zur Aktienauswahl heranzuziehen, greift zu kurz. Du musst dich mit dem Zahlenwerk des Unternehmens beschäftigen. Eine Geschäftsidee kann noch so gut in der Theorie sein. Wenn die Firma in der Praxis keinen Cashflow erwirtschaftet, zeigt sich das langfristig in der Aktienkursentwicklung. Bis hin zum Worst Case Szenario: Einer Insolvenz.
Es hilft deshalb, wenn du Grundkenntnisse der Fundamentalanalyse beherrschst:
- Verstehe ich die einzelnen Positionen einer Bilanz?
- Kenne ich die Unterschiede zwischen Gewinn und Cashflow eins Unternehmens?
- Kann ich Bewertungskennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV), Eigenkapitalquote & Price-Earnings-Growth Ratio (PEG-Ratio) richtig interpretieren?
Falls du die oben aufgeführten Fragen mit Ja beantworten kannst, bist du bereit für den Kauf deiner ersten Aktie. Wenn du meine weiteren Tipps zur Aktienauswahl für Anfänger beachtest, reicht zu Beginn ein gewisses Maß an Grundlagenwissen zu Bilanz, GuV & Co. aus. Diese Kenntnisse solltest du mit der Zeit Stück für Stück erweitern. Du wirst lernen, welche Kennzahlen tatsächlich von Bedeutung sind und welche du vernachlässigen kannst.
Doch bevor du in die Welt der Aktiensuche eintauchst, solltest du eines nicht vergessen: Das Risiko.
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Sei dir der Risiken von Einzelaktien bewusst
Risikobewusstsein – Womöglich der wichtigste Aspekt beim Investieren in Aktien. Bevor du deine erste Aktie kaufst, solltest du die Eigenschaften der Anlageklasse verstehen.
Mit einem Aktieninvestment beteiligst du dich an einer Firma. Die Kursentwicklung ist von den Geschäftstätigkeiten dieses Unternehmens abhängig. Kommt der Konzern in Schieflage, hat das negative Folgen für die Performance der Aktie. Im schlechtesten Fall ist gar ein Totalverlust möglich.

Generell unterliegen Einzelaktien größeren Schwankungen als z. B. ETFs oder Anleihen. Beachte vor deinem ersten Aktienkauf, dass zwischenzeitliche Kursrückgänge von 20-50% keine Seltenheit sind. Sei dir der Volatilität des Marktes bewusst und investiere nur Geld, das du kurzfristig nicht brauchst.
Was ist die beste Aktienstrategie für Anfänger?
Wenn du das entsprechende Grundverständnis für Börse, Aktien & Unternehmenskennzahlen mitbringst, solltest du dir im nächsten Schritt Gedanken über deine Investmentstrategie machen.
Generell rate ich zu einem Anlagehorizont von mindestens 5+ Jahren. Natürlich kannst du auch mit einer kurzfristigeren Perspektive Aktien handeln. Dies fällt jedoch eher in die Kategorie Trading. Dann investierst du nicht – vielmehr spekulierst du. Ein Ansatz, der für mich als langfristig orientierten Anleger nicht in Frage kommt.
Aus Erfahrung kann ich sagen, dass langfristiges Investieren in Aktien anfangs schwerer ist, als man denkt. Das zeigen meine Verkäufe von Teamviewer und Microsoft nach nur wenigen Monaten. In de Rückschau war es bei Teamviewer die richtige Entscheidung. Bei Microsoft habe ich hingegen einiges an Rendite liegen gelassen.
Der tägliche Newsflow, allgemeine Marktschwankungen & vielversprechende Aktienalternativen. All diese Faktoren können dich als unerfahrenen Anleger verunsichern. Das führt dazu, dass du deine Aktienkäufe in Frage stellst. Und womöglich schneller verkaufst als zunächst geplant.
Wenn du in Einzelaktien investierst, solltest du die Entwicklung der Unternehmen aus deinem Portfolio verfolgen. Und den Investment Case in regelmäßigen Abständen hinterfragen. Das bedeutet jedoch nicht, dass du fünfmal am Tag den Kurs checkst & auf jedes Update mit Käufen bzw. Verkäufen reagierst. Nicht ohne Grund wirst du im Börsenumfeld auf das folgende Sprichwort stoßen:
„Hin und Her macht Taschen leer“
Finanzpedale Tipp: Plane Zeitfenster ein, in denen du dein Bestandsportfolio überprüfst. Bezüglich des zeitlichen Rhythmus empfehle ich eine Überprüfung alle 3 bis 12 Monate. Im Rahmen dieser Analyse solltest du dir folgende Fragen stellen:
- Ist mein Investment Case intakt?
- Gibt es neue Risiken, welche die Gewinnentwicklung bedrohen?
- Sehe ich Alternativen am Markt, denen ich fortan eine bessere Performance zutraue?
Die ganze Thematik steht in enger Verbindung zu Aspekten der Börsenpsychologie. Häufig entscheiden wir uns aufgrund von emotionalen Verzerrungen zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Führe dir die psychologischen Einflüsse vor Augen, bevor du eine Order an der Börse platzierst. Reflektiere deine Entscheidung. So vermeidest du voreilige Schnellschüsse. Vor allem, wenn du eine langfristige Aktienstrategie verfolgst.
Wie finde ich gute Aktien als Einsteiger?
Eine Sache vorne weg: Wenn du erwartest, dass ich dir in diesem Abschnitt den neuesten heißen Aktientipp an die Hand gebe, liegst du falsch. Das entspricht so gar nicht meiner Börsenphilosophie.
Wer in Aktien investiert, sollte seine Kaufentscheidung immer aus eigener Überzeugung treffen. Kauf bitte niemals Aktien blind nach. Insbesondere, wenn es sich um einen „heißen Geheimtipp“ handelt. Egal, wo du die Info erhältst. Sei es in einer Börsenzeitschrift, in einem Aktienpodcast oder durch einen Finanzblog.
Auch ich habe zu Beginn meiner Börsenzeit auf Aktienideen vertraut, von denen ich nicht 100%-ig überzeugt war. So habe ich z. B. mit der Aktie von Medical Properties Trust über 50 Prozent Verlust gemacht. Gekauft habe ich vor allem aufgrund mehrerer Artikel, welche die günstige Bewertung des Unternehmens hervorhoben.
Heute würde ich selbst bei einer Kaufempfehlung von Warren Buffett, nicht ohne eigene Analyse in ein Unternehmen investieren. Externe Quellen nutze ich ausschließlich zur Inspiration. Bei einer Investition hinterfrage ich jedes Mal, ob die Aktie meine Anlagekriterien erfüllt.

Letztlich bist Du für die Auswahl deiner Aktien verantwortlich. Und du musst dich mit diesen Investments wohlfühlen. Um es in Buffetts worten zu sagen: „Wenn du das Geschäftsmodell einer Firma nicht verstehst, lass‘ die Finger davon.“
Aktien aus deinem Expertenbereich
Zuallererst würde ich mich bei der Aktiensuche im eigenen Fachbereich umschauen. Jeder Mensch hat Expertise in bestimmten Feldern. Gehe in dich & überlege, in welchen Branchen du dich besonders gut auskennst. Dabei helfen die folgenden Fragen:
- Welche Produkte nutze ich im Rahmen meines Berufs?
- In welchen Branchen kann ich den Markt & Wettbewerb besonders gut einschätzen?
- Mit welchen Unternehmen hast du im Umfeld deines Berufs (oder Hobbys) exzellente Erfahrungen gemacht?
Du wirst erstaunt sein, wie viele Produktanbieter & Dienstleister dir in den Sinn kommen. Im nächsten Schritt prüfst du, ob die entsprechenden Unternehmen an der Börse gelistet sind. Falls ja, kannst du deine Analyse vertiefen.
Wie du dabei genau vorgehst, erfährst du am Ende dieses Blogartikels.
Aktien aus dem Alltag: Produkte, die dich begeistern
Viele Aktienideen findest du, wenn du mit offenen Augen durchs Leben gehst. Die meisten Dinge nutzen wir wie selbstverständlich. Ohne uns Gedanken zu machen, welche Unternehmen dahinter stehen.

Nimm‘ dir etwas Zeit für ein Brainstorming und reflektiere die folgenden Punkte:
- Welche Produkte & Dienstleistungen nutzt du im Alltag (Hobbies, Shopping, Haushalt etc.)?
- Welche dieser Produkte begeistern dich?
- Von welchen Produkten schwärmt dein näheres Umfeld (Freunde & Familie)?
Ich bin mir sicher: Mithilfe dieser Fragen findest du spannende Unternehmen, die du zuvor noch nicht in Betracht gezogen hast.
Mit der Methode habe ich einige Aktien entdeckt und später gekauft. Die besten Beispiele hierfür sind Technogym & Uber.
Den Fahrdienstleister Uber hatte ich erstmals während eines Urlaubs getestet. Ich war so begeistert vom Produkterlebnis, dass ich die Aktie genauer unter die Lupe nahm. Kurze Zeit später baute ich eine erste Position auf.
Beim italienischen Fitnessgeräte-Hersteller Technogym brauchte es hingegen etwas Anlauf, bis mir ein Aktienkauf in den Sinn kam. Zwar nutzte ich die Technogym Produkte jahrelang im Fitnessstudio, dennoch schenkte ich dem Unternehmen kaum Beachtung.
Erst als ich meinen Alltag bewusst reflektierte & die Perspektive wechselte, stieß ich auf Technogym & dessen zuverlässige Geräte. Als Inspirationsquelle half mir vor allem das Buch Der Börse einen Schritt voraus* von Peter Lynch. Hier gibt der ehemalige Fondsmanager praktische Tipps, wie du gute Aktien als Privatanleger findest.
Börsenindizes überprüfen
Dir mangelt es an Inspiration aus dem Beruf oder dem Alltag? Hier kann die Recherche in Börsenbarometern helfen. Nimm‘ dir 2-3 Stunden Zeit und sichte die verschiedenen Indizes. So wirst du auf eine Vielzahl an Unternehmen stoßen, die du kennst. Markiere Firmen mit spannenden Geschäftsmodellen und vertiefe deine Aktienanalyse im Anschluss.
Unten stehend findest du eine Liste der wichtigsten Börsenindizes:
- S&P 500 (USA)
- Nasdaq 100 (USA)
- Dow Jones (USA)
- Euro Stoxx 600 (EUR)
- DAX (GER)
- FTSE 100 (GB)
- Nikkei 225 (JPN)
Finanzpedale Bonustipp: Weniger bekannte Unternehmen findest du hingegen in Small Cap Indizes. Solche Firmen haben in der Regel ein größeres Kurspotenzial als Large Cap Unternehmen. Ggf. kennst du dich in einer Nische besonders gut aus und stößt hier auf die ein oder andere vertraute Firma. Zur Recherche kommen u.a. Börsenbarometer wie der Russell 1000, MDAX oder SDAX in Frage.
Aktien auswählen als Anfänger: Worauf du achten solltest

Tipp 1: Die erste Aktie muss nicht perfekt sein
Wenn ich mit Börsenneulingen über das Investieren in Aktien spreche, erlebe ich in der Regel zwei Anlegertypen: Investor A (nennen wir ihn Anton), der ohne groß nachzudenken Hype Aktien aus den Medien nachkauft – Und Investor B (Bernd), der Unmengen an Finanz-Content konsumiert und sich nicht traut, mit der Geldanlage in Aktien zu starten.
Wenig überraschend sind beide Ansätze hinderlich für deinen Start an der Börse. Anton wird sehr wahrscheinlich einen Großteil seines Kapitals in den Sand setzen und der Börse den Rücken kehren. Bernd liest sich bis ans Lebensende Finanzwissen an, ohne aktiv zu werden: Aus Angst, Fehler zu machen.
Diese Angst musst du jedoch überwinden, wenn du in Einzelaktien investieren willst. Das bedeutet nicht, dass du kopflos an die Sache herangehen solltest. Analysiere das Unternehmen auf Basis meiner Tippsl & wenn das Gesamtpaket für dich stimmt, kaufst du die Aktie.
Wie in allen Lebensbereichen gilt auch bei der Aktienanalyse: Du lernst aus deinen Erfahrungen und wirst dich stetig verbessern.
Um das Risiko zu reduzieren, solltest du bei den ersten Aktienkäufen insbesondere meinen nächsten Ratschlag beherzigen.
Tipp 2: Investiere mit kleinen Beträgen
Gerade als unerfahrener Anleger macht es Sinn, mit geringen Investitionssummen zu starten. Wenn du z. B. 10.000 € zur Verfügung hast, fange mit kleineren Aktienkäufen im dreistelligen Bereich an.
Früher hätte man Investments in Höhe von einigen Hundert Euro als wenig rentabel betrachtet. Speziell aufgrund der hohen Transaktionsgebühren. In Zeiten von Neobrokern wie Trade Republic oder Scalable Capital gilt dieser Leitsatz nicht länger. Bei Gebühren von 1 € pro Trade kannst du problemlos mit geringem Kapitaleinsatz investieren.
Tipp 3: Kaufe nur Aktien, deren Geschäftsmodell du verstehst
Langfristig ist es wichtig, dass du dich mit einer Aktie wohlfühlst. Nach meiner Erfahrung gelingt das nur, wenn du die Geschäftspraktiken des Unternehmens kennst & verstehst.
Achte deshalb bei der Analyse auf die folgenden Aspekte:
- Produktkategorien
- Welche Produkte bietet das Unternehmen an?
- Wie verteilen sich Umsatz & Gewinn auf die einzelnen Segmente?
- Wie sieht die kurz- und langfristige Produktstrategie aus?
- Umsatz & Gewinn
- Wie verdient das Unternehmen mit seinen Produkten & Dienstleistungen Geld?
- Was sind die entscheidenden Kostentreiber?
- Wie kann es das Unternehmen schaffen, höhere Margen zu erwirtschaften?
- Wettbewerb
- Welchen Marktanteil besitzt das Unternehmen?
- Wodurch sticht der Konzern hervor?
- Wer sind die wichtigsten Konkurrenten?
Wenn du diese Fragen beantworten kannst, ist der erste Schritt gemacht. Du hast ein Gefühl für das Geschäftsmodell einer Aktie. Das hilft z. B. bei der Einordnung, wie sich Markttrends auf das Unternehmen auswirken.
Tipp 4: Untersuche die Markt- und Wachstumschancen
Langfristig hängt die Kursentwicklung einer Aktie vom Umsatz- und Gewinnwachstum des Unternehmens ab. Im Rahmen deiner Analyse solltest du die Zukunftsaussichten der Aktie unter die Lupe nehmen:
- Markt
- In welchem Markt ist das Unternehmen aktiv?
- Wie sehen die Wachstumsprognosen für diesen Markt in den nächsten 5-10 Jahren aus?
- Wettbewerb
- Welche Marktposition hat das Unternehmen inne?
- Wie stehen die Chancen, den Status weiter auszubauen & Marktanteile zu gewinnen?
- Margen
- Was sind die entscheidenden Umsatz- und Kostentreiber des Unternehmens?Wo kann die Firma von Skaleneffekten profitieren & die Nettomargen steigern?
- Welche externen Faktoren beeinflussen die Unternehmensausgaben (z.B. Energiepreise)?
Bei der Einordnung helfen etwa Marktberichte oder unternehmenseigene Dokumente (Investorenpräsentationen, Geschäftsberichte etc.). Zudem kannst du die Unterlagen der wichtigsten Konkurrenten sichten.
Letztlich zählt vor allem deine eigene Einschätzung – Welches Wachstum traust du dem Unternehmen auf Basis deiner Kenntnisse & Recherchen in den nächsten Jahren zu?
Tipp 5: Lege in politisch stabilen Regionen an
Meiner Meinung nach kann das Geschäftsmodell einer Firma noch so gut sein – Wenn das politische Umfeld nicht passt, halte ich lieber Abstand von der Aktie.
Insbesondere Länder mit instabilen Demokratien & Diktatoren an der Macht beinhalten ein erhöhtes Risiko. Die Entwicklung des Unternehmens hängt dann von der politischen Willkür einzelner Personen ab. Zölle, Verstaatlichungen & wirtschaftliche Sanktionen schränken die Geschäftsentwicklung der Konzerne ein.
Prüfe das politische Umfeld, bevor du in ein Unternehmen investierst. Vor allem u, Regionen mit erhöhtem Kriegspotenzial solltest du einen weiten Bogen machen. Ein warnendes Beispiel ist das Delisting russischer Aktien im Rahmen der Ukraine-Invasion.
Wichtig: Zur geopolitischen Analyse zählen neben dem Heimatland auch die wichtigsten Absatzmärkte & Produktionsstandorte des Unternehmens. So hängt z.B. die Entwicklung des deutschen Autobauers Volkswagen aufgrund dessen enger China-Beziehungen von der dortigen politischen Lage ab.
Ohnehin ist China aufgrund des Eskalationspotenzials im Konflikt mit Taiwan ein No Go für mich. Meine ausführliche Analyse zu dem Thema kannst du hier nachlesen.
Tipp 6: Halte Abstand von „Expertentipps“
Speziell als Einsteiger erscheint die Welt der Aktien groß und unübersichtlich. Viele Anfänger vertrauen deshalb auf die Meinung so genannter Experten. Sie kaufen Aktienempfehlungen bekannter Investoren nach oder investieren ihr Geld in Unternehmen, welche die Schlagzeilen beliebter Wirtschaftsmagazine beherrschen.
Langfristig wirst du mit einem solchen Ansatz keinen Erfolg an der Börse haben. Meist schaffen es die Aktien in die Medien, die bereits große Kurssprünge hinter sich haben & die meisten Klicks versprechen.
Auch wenn es verlockend sein mag: Mach‘ dir deine eigenen Gedanken, welche Aktien du kaufen willst. Inspiration ist völlig in Ordnung – Blindes Nachkaufen der „heißesten Tipps“ führt hingegen selten zu nachhaltigen Renditen.
Tipp 7: Analysiere die finanziellen Kennzahlen
Ebenso kannst du keine überdurchschnittliche Performance erwarten, wenn du die finanziellen Kennzahlen eines Unternehmens bei der Aktienauswahl vernachlässigst.
Als Anfänger ist dieser Part sicherlich der herausforderndste Teil der Aktienanalyse. Insbesondere, wenn du keinerlei betriebswirtschaftlichen Erfahrungen hast.
Ohne nennenswerte Kenntnisse hast du zwei Optionen:
- Du liest dir Wissen zur Fundamentalanalyse und den wichtigsten Begriffen an. Das Ziel sollte sein, die Zahlen eines Jahresabschlusses (Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung & Kapitalflussrechnung) richtig interpretieren zu können.
- Du investierst passiv in ETFs.
Versteh‘ mich bitte nicht falsch. Ich bin weit davon entfernt, eine Wissenschaft aus der fundamentalen Aktienanalyse zu machen. Seitens Analysten entsteht häufig der Eindruck, dass du zig Kennzahlen errechnen müsstest, bevor du investierst. Das steht in meinen Augen in keinem Verhältnis & zeichnet ein falsches Bild.
Dennoch gehört die Prüfung des Zahlenwerks zum Unternehmenscheck dazu. Unten stehend habe ich einige finanzielle Kennzahlen aufgelistet, die ich als besonders wichtig ansehe. Eine ausführlichere Betrachtung würde an dieser Stelle den Rahmen des Beitrags sprengen.
- Gewinn- und Umsatzwachstum
- EBITDA & EBIT
- Entwicklung der Nettomargen
- Free Cashflow
- Eigenkapitalquote (Faustregel: >30%)
- Dividendenwachstum
- Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
- Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)
Tipp 8: Bestimme deinen Anlagehorizont
Den Abschluss einer fundierten Aktienauswahl bilden strategische Überlegungen zur Haltedauer einer Aktie. Sei‘ dir vor jedem Kauf im Klaren, welche Ziele du mit der Aktie verfolgst;
Ich unterscheide dabei gerne zwischen drei Kategorien:
- Langfristige Investition (5+ Jahre): Du traust dem Unternehmen eine überdurchschnittliche Entwicklung zu und möchtest die Aktie über mehrere Jahre halten.
- Mittelfristige Investition (1-5 Jahre): Hierunter können z. B. unterbewertete Aktien oder Turnaround Stories fallen.
- Spekulation / Trading (<1 Jahr): Bei einem solch kurzen Zeithorizont erhoffen sich Anleger zumeist einen Kurssprung aufgrund technischer Chart-Signale oder positiver Unternehmensnachrichten.
Meine Präferenz liegt ganz klar auf dem langfristigen Investieren. In der Regel schaffen es nur Unternehmen in mein Depot, denen ich ein stabiles Wachstum über 5+ Jahre zutraue. Dabei orientiere ich mich an einem Zitat des wohl bekanntesten Börseninvestors der Geschichte: Warren Buffett.
„Meine Lieblingshaltedauer ist für immer.“
(Warren Buffett)
Bonus-Tipp: Pure Plays > Mischkonzerne
Speziell als Anfänger macht es Sinn, auf Unternehmen mit einfachen Geschäftsmodellen zu setzen. Auf Firmen, deren Business du verstehst. Konzentriere dich bestenfalls auf so genannte Pure Plays.
Als Pure Player bezeichnet man im Börsenkontext Unternehmen, deren Fokus auf einem Produktbereich liegt. Ein Beispiel hierfür ist der Online-Händler Zalando, der sich vornehmlich auf den Modevertrieb beschränkt.
Gegenbeispiele sind Mischkonzerne wie z.B. 3M oder General Electric, die ihren Umsatz aus vielen verschiedenen Produktsegmenten beziehen. Solche Firmen sind für uns als Außenstehende schwerer zu greifen.
Fazit: Starte mit Köpfchen
Abschließend möchte ich dir noch eine Message zum Thema Aktienauswahl mitgeben:
Wenn du Interesse für Einzelaktien gepaart mit dem nötigen Risikobewusstsein mitbringst, dann zögere nicht zu lange mit dem ersten Investment. Jeder Anleger fängt klein an & Fehler gehören gerade zu Beginn dazu.
Mit der Zeit wirst du dank deiner Erfahrungen ein Gefühl dafür entwickeln, gute Aktien zu finden – Insofern du deine Kenntnisse stetig erweiterst & vergangene Entscheidungen reflektierst.
Lerne die Basics der Unternehmensanalyse, lies ein Börsenbuch wie z.B. die Kunst des Investierens* oder Der Börse einen Schritt voraus*, befolge meine Tipps aus diesem Artikel & starte deine Aktienreise.